Hardware

Das „Uncanny Valley“ oder: Wann wir mit Robotern fremdeln

Ein Roboter ist kein Mensch. Als Menschen sind wir in der Lage, diese Tatsache zu verstehen und auch zu verarbeiten. Ein Roboter ist ein Stück Hardware, das von Menschen für einen bestimmten Zweck geschaffen wurde – beispielsweise für die Durchführung simpler Haushaltsarbeiten, etwa das Staubsaugen. 

Diese spezifische „Rolle“ ist auch unproblematisch – kritisch wird es dann, wenn die moderne Robotik darum bemüht ist, den Roboter immer weiter zu „vermenschlichen“. Dann tritt laut der Wissenschaft ab einem bestimmten Zeitpunkt das hypothetische Phänomen des „Uncanny Valley“ oder auch der „Akzeptanzlücke“ ein.

Was ist die Akzeptanzlücke?

Das Phänomen wurde zuerst von dem japanischen Robotiker Masahiro Mori im Jahre 1970 beschrieben und bereits intensiv von den Medien- sowie Neurowissenschaften untersucht. Kompakt lässt sich der Effekt wie folgt zusammenfassen:

  • Ein Roboter ist vom Betrachter als Roboter erkennbar
  • Ein Mensch ist vom Betrachter als Mensch erkennbar
  • Erhält der Roboter menschlichere Züge, ist er nach wie vor als Roboter erkennbar und wird als solcher akzeptiert
  • Erhält der Roboter stark menschenähnliche Züge und adaptiert Handlungsweisen sowie Bewegungsabläufe, entfernt er sich von seiner ursprünglichen Rolle als Roboter
  • Gleichzeitig kann der menschenähnliche Roboter immer noch als Nicht-Mensch identifiziert werden
  • In diesem Sinne „verliert“ er die Rolle des Roboters, ohne die Rolle des Menschen zu „gewinnen“
  • Dadurch entsteht auf Seiten des Betrachters eine „Akzeptanzlücke“ – das Wesen des Roboters kann nicht mehr klar einer spezifischen Rolle zugeordnet werden

Gemäß der Theorie verliert sich dieser Effekt, sobald der „ehemalige“ Roboter vollständig menschenähnlich ist und nicht mehr durch kleine Abweichungen aus seiner neuen Rolle fällt – wobei Studien (Beispiel für Studie) nahelegen, dass das „Uncanny Valley“ von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt ist und Abwehrreaktionen daher variieren können.

Bedeutung des Uncanny Valley für den Alltag

Die Klärung der Frage, ab wann, unter welchen Umständen und in welchem Umfang Menschen gegenüber Robotern Skepsis und Misstrauen aufbauen, wird gerade auch in Zukunft von ganz praktischer Relevanz sein. So werden auch heute schon Roboter testweise in einzelnen Studienversuchen in Pflegeeinrichtungen eingesetzt (mehr dazu), um menschliche Pflegekräfte zu entlasten. Und die Nutzungsmöglichkeiten gehen natürlich auch weit darüber hinaus.

Was den Umgang mit teilweise humanoiden Robotern in unserem Alltag angeht, stehen wir also nicht nur technisch, sondern auch psychologisch noch ganz am Anfang.

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